Afrika-Reise
Frankreich, 12.09. - 03.10.2013
Heute geht es weiter. Nachdem Müll und
Fäkalien entsorgt sind geht es los. Die erste Herausforderung stellt die Brücke
dar. Die mögliche Spurwahl bei der Ausfahrt ist nämlich noch ungünstiger als
gestern bei der Einfahrt. Man kann zwar vielleicht überall rein fahren, kommt
aber halt nicht immer sicher wieder raus. Doc nach zwei Rangierzügen geht es und
bevor der nächste Zug kommt noch schnell über en darauffolgenden Bahnübergang.
Das Wetter hält sich im wahrsten Sinne des
Wortes bedeckt. Die folgende Passstraße in Richtung Frankreich ist
wolkenverhangen und es regnet zeitweise. Dann komme ich an die Grenzstation. Der
Beamte will sogar meinen Pass und die Unterlagen zur Schwerlastabgabe sehen.
Dann die üblichen Fragen wo ich komme und wohin die Reise geht mit einer
Zusatzfrage: „ Ist das ein Wohnmobil?“
J .
In Charmonix will ich auf einem
Großparkplatz nächtigen. Jedoch ist ein Teil abgesperrt und die verbliebene
Einfahrt mit Schranke ist nochmal um einiges schmaler als die Brücke von heute
Morgen. Also beschließe ich weiter zu fahren. Den Mount Blanc kann ich leider
nicht sehen, er versteckt sich hinter Wolken. Jedoch ragt eine Gletscherzunge
bis fast ins Tal hinunter. Diese alleine ist schon sehr beeindruckend. Anhalten
geht hier leider nicht mehr, denn ich befinde mich bereits auf der
Zubringer-Autobahn. Es geht immer weiter abwärts ins Tal, als die Fahrbahn
plötzlich vom Fels wegführt und sich eine sehr hohe Brücke über dem Abgrund
auftut. Wegen einer Baustelle teilen wir uns die zwei Fahrspuren ohne
Seitenstreifen mit dem Gegenverkehr. Es gibt keine besonderen Leitplanken und
die Brüstung kann ich aus dem Fahrerhaus eh nicht mehr sehen. Es ist als ob ich
fliege, es ruckelt nur etwas mehr. In langen Kurven findet die Brücke dann
wieder festen Boden und alles ist gut.
Eigentlich wollte ich Nebenstraßen benutzen um die Autobahnmaut zu umgehen. …Nur noch eine Ausfahrt, dann bin ich da. Doch dann kommt schon die Zahlstelle. So’n Mist. 11€ Pauschale – und ich hätte nur ein paar Kilometer früher raus auf die Nebenstraße fahren sollen.
Jetzt geht es noch mal über schmale Straßen hinauf nach Samoëns, einem Skigebiet. Dort gibt es einen abgelegenen Stellplatz für Wohnmobile. Mein Navi lotst mich auf abenteuerlichen Wegen ach Samoëns, denn alle anderen Straßen sind für Fahrzeuge ab 3,5t gesperrt. Und dann meint Madame Navi auch noch eine 180° Spitzkehre nach rechts zu navigieren. Nun ja, nützt ja nix. Also unter Zuhilfenahme des linken Seitenstreifens ausgeholt, gebetet dass keiner von oben kommt und rum! Jetzt ist das Ziel nicht mehr weit. Doch am Parkplatz der Telecabina TC4 angekommen bekomme ich erstmals ein Problem mit der Durchfahrtshöhe, denn die Zufahrt führt unter dem Lift hindurch und der hat, bewiesen durch unübersehbare Beschädigungen, nur eine lichte Durchfahrtshöhe von 3,6m. Das Schild wurde handschriftlich auf 3,6m angepasst, denn zuvor stand dort ein anderes Maß. Kein Wunder dass das Seilbahngebäude bereits mächtig Schaden genommen hatte.
Mit meinen ausgefeilten Französisch Kenntnissen lese ich von weiteren 600 Stellplätzen in 1600Hm im oberen Skigebiet. Es ist schon spät und Alternativen sind rar. Also fahre ich los. Die Straße wird sehr steil und an einer Hausecke muss ich ernsthaft im ersten Gang wieder anfahren, als mir hier jemand entgegengekommen war.
Oben angekommen fand ich den Stellplatz direkt neben den Pistenraupen als angebracht. Die artverwandten Fahrzeuge sollten für die nächsten zwei Tage Freunde werden.
Die Appartements oder Hotels schienen nicht nur für den Sommer verlassen zu sein, sondern gleich nach dem Krieg aufgegeben, so heruntergekommen ist hier alles. Aber gegen Mitternacht spazierte tatsächlich jemand mit Taschenlampe umher und schaute sich mein Auto an. Allerdings kann das auch der Bauer gewesen sein, der nach seinen Kühen geschaut hat, die er jeweils morgens und abends gegen sechs Uhr zum Melken abholte.
Position: |
N 46° 3' 14.3" E 6° 42' 2.5" |
Kilometerstand: |
14.671 km |
Es ein super schöner Tag mit kristallblauem
Himmel. Wo sind bloß die ganzen Wolken von gestern geblieben?
Als erstes muss ich mal Wäsche waschen und
die Fenster auf der Innenseite von dem immer noch darauf befindlichen Lacknebel
befreien. Bei dieser Aussicht fällt das nun doch zu sehr auf, dass hier noch
etwas auf der Scheibe ist. (Ein Überbleibsel aus der Bauzeit)
Gegen Mittag mache ich mich auf zum Gipfel des Skigebietes, in der Hoffnung den Mount Blanc zu sehen. Allerdings werde ich enttäuscht. Zumindest weiß ich jetzt wo die Wolken hin sind.
Heute Morgen sind nur ein paar wenige Wolken am Himmel. Ich bin hin und her gerissen, ob ich nochmal den steilen Anstieg zum Gipfel auf mich nehmen soll um evtl. einen freien Blick auf den Mount Blanc zu haben. Dann sage ich mir es ist zumindest eine schöne Trainingseinheit rund 500Hm in 1h bei ca. 100% Steigung. Ich bestücke also die Kamera ausschließlich mit dem Teleobjektiv, denn andere Fotos will ich ja nicht machen, und los geht’s. In genau 58 Minuten gucke ich über den Kamm und da liegt der Mount Blanc fast frei von Wolken vor mir. – Ja!
Nach ein paar Fotos geht es auch schon
wieder ‚abi‘, denn das Fahrziel heute liegt weiter im Süden bei Aiguebelle. Die
Fahrt führte mich durch das Zentrum von Sallanches. Eigentlich ab 7,5t gesperrt,
doch mein Navi hatte einfach die stärkeren Argumente, bis ich an eine Abzweigung
kam die dann mal wieder etwas abgerundet werden musste. Dann ging es raus aus
dem Ort und in Schlangenlinie aber neu geteert auf den Berg hinauf. Hinunter
schlängelte sich die Straße durch ein super schönes Tal. Allerdings war die
Aussicht lediglich etwas für Beifahrer, denn ich musste immer wieder einen
Kompromiss zwischen dem Gegenverkehr auf der einen und vorstehender Felswand auf
der anderen Seite finden. Hinzu kommt dass man die ‚Wilden‘ im Rückspiegel
beobachten muss, denn die riskieren wahrlich hier zu überholen. Da fühlte ich
mich woher wenn ich bei gegebener Gelegenheit mal rechts ran fuhr, was meist mit
hupendem Dank honoriert wird.
Der Stellplatz in Aiguebelle ist unspektakulär wie das ganze Nest. Aber es gibt einen gut sortierten Carrefour, in dem ich noch frische Milch kaufe, die es im Lidl unterwegs nicht gab. Dann gehen auch schon bald die Lichter aus.
Position: |
N 45° 32' 34.8" E 6° 18' 10.5" |
Kilometerstand: |
14.788 km |
Es regnet und ich beschließe hier zu
bleiben um meinen 24h WLAN Ticket von SFR ausgiebig zu nutzen. E-Mails und
Recherchen stehen auf dem Programm. In einer Regenpause erkunde ich den Ort und
Umgebung – nichts Neues. (Die haben hier sogar Dächer über den Blumenbeeten,)
Reisebericht schreiben und aus die Maus.
Das Tagesziel für heute ist Saillans. Hier
kann man direkt am Fluss Drome stehen. Allerdings gibt es mal wieder
Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Navi und mir, wie wir dort hin kommen.
Erstmal die Hauptstraße zurück und dann möglichst Hauptstraße ohne Autobahn
weiter Richtung Süden, denn das Wetter rechtfertigt nicht über hohe Passstraßen
zu fahren, denn eine lohnende Aussicht ist dort nicht zu erwarten. Irgendwann
werden wir uns einig und sind auf der gleichen Route. Bis kurz vor dem Ziel, als
die Ansage in die falsche Richtung führte. Aber der Fehler lag wohl in einem
Zahlendreher meinerseits bei der Eingabe der Zielkoordinaten. Um das wieder gut
zu machen befolge ich hingegen den Vorschlag vom Navi bei der
Zielanfahrt.
„Okay, hier rechts ab. Dann durch die schmale Anliegerstraße“. Einige Nachbarn
schauen schon verstört, als ich an ihrem Zaun vorbei rolle und mit meinen
Spiegeln die Büsche teste. Aber das Schild und Navi hatten hier rein gezeigt. Na
super, jetzt steht mir die Polizei im Weg, denke ich noch, doch dann werden sie
ganz agil und fahren ihr Auto zur Seite. Man, das hätte in Deutschland auch
anders aussehen können. Gleich hier geht es auch über eine Rampe zwischen einer
Mauer und der Wand des Restaurants hinunter zum Stellplatz. Man hat auch hier
nicht auf die üblichen Bumper zur Geschwindigkeitsreduzierung verzichtet. Nun,
eigentlich hat man eh genug damit zu tun sich rechts und links zu orientieren,
da bleibt für’s Rasen keine Zeit mehr.
J
Vom Regen des Vortages ist eine noch zähe Schlammschicht zurück geblieben, die sich längs über den Platz erstreckt. Somit hat jeder etwas davon. Kurz nach meiner Ankunft kommt Verena aus Wien mit ihrem Mercedes Kastenwagen an und stellt sich neben mich. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und sie berichtet mir von ihrer bereits acht Jahre andauernden Reise. Sie hat auch noch ein paar Tipps über interessante Locations in Spanien für mich.
Position: |
N 44° 41' 46.5" E 5° 11' 38.5" |
Kilometerstand: |
15.021 km |
Heute Morgen erkunde ich den Ort, was in
einer halben Stunde ausgiebig erledigt ist. Verena ist auf Arbeitssuche in der
Weinlese und bereitet sich auf ein Vorstellungsgespräch vor. Ich beschließe
weiter zu fahren. Tagesziel ist Larnas, kurz vor der Ardeche, so dass ich von
dort aus, evtl. mit dem MTB, in das Ardeche Tal fahren kann.
Heute ist das Navi absolut unerschrocken
und navigiert mich auf eine Straße, die zwar für 12t zugelassen ist, aber
Fahrzeuge mit einer Länge von mehr als 5,7m besser eine Alternative suchen. Am
ersten Schild fahre ich noch vorbei, doch dann werden die Hinweise sehr
einprägsam und ich fahre zur Seite. Jetzt hilft mir mein QuoVadis, auf dem ich
mir die Ortsdurchfahrt von Saint Montan mal genauer anschaue. Etwas beunruhigend
finde ich die zwei rechtwinkeligen Abzweigungen im Ortskern. Bei der engen
Bebauung stelle ich mir hier wahrlich ein Schauspiel vor, sollte ich mit meinen
8m+ hier die Fassaden einreißen. Also zurück und ursprünglich manuell geplante
Route nehmen.
Es wird nur wenig besser. Die Strecke ist
aber immerhin für 15t frei gegeben. Zum Glück fahren kaum Autos und recht bald
finde ich mich in einer sehr einsamen Gegend in einem Tal aus Weinfeldern
wieder. SUPERSCHÖN.
Immer wieder lege ich einen Fotostopp ein. Dann noch mal
eine entscheidende Kreuzung. Links abbiegen auf eine noch schmalere Straße oder
geradeaus weiter fahren und das Tal genießen. – Ich fahre geradeaus, was sich
als recht weise herausstellen sollte, als ich später den umfahrenen Ort mit dem
Fahrrad besuche.
Larnas ist solch ein kleines Nest, dass ich gleich mal an dem Parkplatz hinter dem Tourismus-Büro vorbei rausche. (Obwohl die einen Bumper direkt vor der Tür haben). Wenden in zwei Zügen und schwup die wupp auf dem Schotterplatz unmittelbar neben einem Weinfeld einen genialen Platz gesichert. Wasser und sogar WLAN gibt es hier gratis.
Der Platz ist einfach nur genial!
Position: |
N 44° 26' 55.7" E 4° 35' 54.4" |
Kilometerstand: |
15.137 km |
Da das Mountainbike bisher noch gar nicht
im Einsatz war, soll es heute so weit sein. Das große Auspacken beginnt. Mit dem
Bike möchte ich die Gegend erkunden und herausfinden ob sich einige der
Offroad-Strecken dazu eignen mal mit dem Laster zu fahren. Dabei sollen keine
Büsche und Bäume dem Auto unnötigen Schaden zufügen als auch kein Vorgarten
eines Franzosen zu sehr darunter leiden. Wie sich herausstellt gar keine so
leichte Aufgabe. Die Erkundungstour führt mich kreuz und quer durch die Prärie.
Letztendlich eignet sich nur eine kurze Strecke, an deren Ende ich wenden kann
und in der Nähe von Larnas wieder auf die Straße komme.
Unterwegs treffe ich auf einen Weinbauern,
der mit seiner Erntemaschine gerade seinen Weinstock abgeerntet hat.
Interessiert schaue ich mir das Fahrzeug mit den langen Beinen an. Dann versucht
er mir bestmöglich zu erläutern wie das Gerät funktioniert. – Ich muss noch
weiter an meinen Französischkenntnissen arbeiten! Trotzdem habe ich verstanden
wie es geht und dass die Ernte dieses Jahr maximal mittelmäßig wird. Glücklich
war er nicht über den Ertrag dieses Jahres.
Den kostenlosen WLAN Hotspot vom Tourismus Büro musste ich ebenfalls nutzen um mich mal mit den neuesten Nachrichten in der Heimat zu melden. Der Platz mit direkten Blick in die Weinplantagen ist großartig. Der Grill erfüllt seinen Zweck fürs wohlschmeckende Abendessen und die untergehende Sonne sorgt für entsprechendes Ambiente und Urlaubsstimmung.
Die Nacht war sehr windig und auch heute
Morgen weht noch eine steife Briese. Daher entschließe ich mich heute mal zu
Wandern. Die Wanderwege erinnern mich sehr stark an Neuseeland. Es ist dicht
bewachsen und enge Pfade führen durch das Dickicht oder über Weiden und entlang
der hier typischen aufgeschichteten Steinmauern, die die einzelnen Ländereien
abtrennen.
Trotz des Windes wurde mir in langer Hose
später schnell sehr warm. Also fiel der Aktionsradius bewusst etwas kleiner aus.
Als ich im Wald mehrere Motorcross Maschinen hörte, wollte ich mehr wissen. Ich
sah einige Maschinen aus Richtung Campingplatz kommen, also wollte ich mir den
mal anschauen. Freundlicherweise durfte ich ohne die Pauschale für
Tagestouristen zu bezahlen auf das Gelände. Die nette Dame an der Rezeption
warnte mich noch vor der Größe des Geländes
mit mehr als 200 Stellplätzen und
wollte mir noch eine Karte mitgeben, was ich aber dankend ablehnte. Nun, es war
nicht nur die Grüße, sondern auch das Höhenprofil, welches ich absolvieren
musste um einmal über das Gelände zu gehen. Hier befanden sich ein Hotel, eine
große Wasserlandschaft mit diversen Wasserrutschen und sogar eine Motocross
Strecke, welche von einem Schweizer Team betrieben wurde. Nur die Besucherzahl
war entgegengesetzt beindruckend, denn es waren fast keine Gäste auf dem Platz.
Dies sei aber für September normal, sagte man mir.
Interessant fand ich das Schild mit 3,5m Durchfahrtshöhe an der massiven Wand. Seit Neuestem achte ich ja auf sowas. - Da hatte der Bauarbeiter wohl zu viel vom frischen Wein...
Abends habe ich noch etwas Kartenmaterial aus dem Internet geladen und erstmals mit QuoVadis eigene Karten zur Navigation aus Online Karten erstellt.
In er vergangene Nacht hat es sehr stark
gestürmt. Neben mir standen heute Nacht zwei Frauen in einem Van mit Faltdach.
Zu später Stunde haben sie ihr Auto nochmals um geparkt und in den Wind gedreht.
Auch das Faltdach blieb fortan geschlossen, da sie Angst hatten dass es kaputt
gehen würde. Bei mir hat sich lediglich der Galgen für das Reserverad in eine
Glocke verwandelt und wie auf einem Geisterschiff im dichten Nebel regelmäßig
Laut gegeben.
Es ist an der Zeit einen neuen Platz einzunehmen. Also tanke ich nochmals Wasser nach und entleere mein Grauwasser, da sich das hier so einfach bewerkstelligen lässt.
Jetzt kommt der abenteuerliche Teil des Tages. Ich nehme mir ein kleines Stück von der erkundeten 4x4 Strecke vor. Mal sehen wie es sich voll beladen auf einer steinigen Piste so fahren lässt. Und es schaukelt ganz gut. Eigentlich wären jetzt Experimente mit dem Reifendruck dran, aber ich habe noch keine 2km zurückgelegt und erst mal weiter. Schnell noch ein kurzes Foto-Shooting in der Morgensonne und dann wieder auf das Navi hören.
Das Navi will mich heute partout nicht über die D290 durch das Tal der Ardeche fahren lassen. Weiß es etwa mehr als ich, oder stimmt hier nur etwas mit dem Routing nicht? Die GPS Route in BaseCamp erstelle ich mit relativ vielen Zwischenpunkten um einigermaßen die Strecke abbilden zu können wie ich sie mir vorstelle. Aber die Routingfunktion schickt mich mehrmals durch den Wald.
Ich setze mich erstmal durch und fahre westwärts bis nach Vallon Pont d’Arc. Aber schon kurz nach der Ortseinfahrt stehe ich vor einem Begrenzungs-Schild auf 5,5t, denn die Abzweigung die ich hätte nehmen sollen sah mir eher nach einer Hofeinfahrt aus. Also geschmeidig umdrehen und in die ‚Hofeinfahrt‘. Ein sehr freundlicher Franzose fährt für mich sogar zurück und lässt mir genügend Raum zum Abbiegen. Kurz darauf komme ich an einem Stellplatz für Wohnmobile vorbei. Sowas sollte man sich immer einprägen.
Kreisverkehr hier und Kreisverkehr dort und
schwups bin ich am Inter Marche. Hier soll der Kühlschrank wieder aufgefüllt
werden. Es gab auch mehrere Hinweisschilder auf einen Lidl, der wäre bestimmt
günstiger gewesen, aber letztendlich habe ich keinen Lidl gefunden.
Mit vollen Klappen geht es nun auf der D290
ins Tal der Ardeche. In Stein gehauene Tunnel verbieten abschweifende Blicke ins
Tal. (Nicht nur weil es durch einen Tunnel geht, sondern auch weil es mal wieder
recht eng zugeht – auch ohne Gegenverkehr). Am ersten größeren Parkplatz halte
ich an. Übernachten darf man dort nicht, aber erstmal die Ardeche ansehen. Und
siehe da, vor mir tut sich bereits der Pont de Ardeche auf, eines der Highlights
im Tal. Ich beschließe meine Badesachen zu holen und bei inzwischen 28°C ein Bad
zu nehmen. Insgesamt ist recht wenig los, was mir sehr entgegen kommt.
Allerdings kommt um kurz vor drei Uhr noch eine riesige Gruppe von Paddlern
vorbei. Eigentlich starten sie morgens um 9:00 Uhr um den Ausstieg gegen 17:00
Uhr zu erreichen. Auf jeden Fall kehrt mit ihnen noch mal Leben ins Tal.
Verschwindet aber genauso schnell wieder.
Als ich zum Auto zurück komme wird dieses
schon genauestens untersucht. Cyrielle und Fred, die auch mit einem Camper
unterwegs sind, sind hellauf begeistert. Cyrielle spricht ein wenig Deutsch und
Fred etwas Englisch und Deutsch. Somit schaffen wir uns fast zwei Stunden zu
unterhalten, bevor sie weiter müssen.
Inzwischen ist es spät geworden und ich beschließe zurück nach Vallon Pont d’Arc zu fahren um mich drt auf dem offiziellen Stellplatz zu stellen, denn hier im Tal gibt es keine Alternativen und es wäre zu schade wenn ich jetzt noch das gesamte Ardeche Tal hinunter brause ohne es genießen zu können. Einige Plätze in dieser Gegend verdienen definitiv mehr Zeit als nur einen Tag.
In Vallon besuche ich den lokalen Frisör. Als ich seinen Laden verlasse, sehe ich schon wieder 5 Jahre jünger aus und ich brauche morgens nicht mehr so lange im Bad für die Frisur. Mit einem leckeren Eis in der Hand erkunde ich das Ortszentrum, bevor mit Reisebericht schreiben der Tag zu Ende geht.
Position: |
N 44° 24' 17.9" E 4° 23' 50.7" |
Kilometerstand: |
15.176 km |
Heute Früh noch schnell den Service des
Stellplatzes genutzt und dann zur Ardeche. Auf demselben Stellplatz wie gestern
halte ich an um mich noch mal an den Strand zu legen und baden zu gehen.
Erstaunlicher Weise ist heute sogar weniger los als gestern. Doch bevor ich es
schaffe die Tür auf zu schließen steht Colin neben mir und fragt interessiert
nach dem Auto. Er ist wohl ebenfalls erleichtert, dass er Englisch mit mir
sprechen kann, denn Colin und seine Frau Paula kommen aus UK und bereisen mit
ihrem Carthago für mehrere Wochen Frankreich. Colin hat noch einen guten
Stellplatz Tipp für mich und bietet mir schon mal einen Kontakt in Los Angeles
an, wenn ich auf meiner Reise in die USA kommen sollte.
Als ich am Nachmittag zum Auto zurückkehre, sind Fred und Cyrielle auch wieder da. Sie waren über Nacht bei Fred’s Oma in Vallon. Wir quatschen noch ein wenig über Afrika und andere Reiseziele, dann fahren wir weiter. Unterwegs begegnen wir uns noch mal auf der Straße, denn ab und an legen wir jeweils unabhängig voneinander einen Fotostopp ein. Die Straße führt nun oben auf dem Plateau entlang und hier und dort ergibt sich ein toller Ausblick in das Tal der Ardeche.
Da ich heute kein konkretes Etappenziel habe, bremst mich ein aus dem Augenwinkel erspähter Platz an einer Abzweigung aus. Zu spät. Ich muss erst eine Möglichkeit zum Umkehren finden, dann geht es zurück. Der Platz ist riesig und liegt ca. 20m neben der Straße, was genügt hinter dem Buschwerk unentdeckt zu bleiben. – Fast. Denn kurz nach meiner Ankunft versammeln sich hier 13 Autos mit Jägern, die anscheinend auf abendliche Jagd gehen wollen. Aber so lange sie ihre Flinten nicht auf mich anlegen, werde ich wohl heute Nacht hier bleiben.
Position: |
N 44° 20' 6.2" E 4° 32' 17.0" |
Kilometerstand: |
15.209 km |
Die Jäger sind zurück! Die Jagdsaison scheint wirklich in vollem Gange zu sein. Hektisch und lauthals machen sie mit ihren Hunden Jagd auf Wildschweine. Ich hingegen lasse den Tag gemütlich angehen und bastele an meiner Routenplanung sowie kleinere Arbeiten am Auto, die schon länger auf sich warten lassen.
Schon bald ist es Mittagszeit und ich
zweifele ob ich heute noch weiter fahren soll, denn ich habe die Gegend noch gar
nicht erkundet. Also schlüpfe ich in meine Bergstiefel, denn die Wege hier sind
gar keine, und mache mich auf den Weg. In unmittelbarer Nachbarschaft gelegen
sind die Grotte de Saint Marcel, einem großen Höhlennetz, welches man für nur
8,80€ besichtigen kann. Dazu müsste ich mich dann eine Stunde lang einer
Temperatur von 14°C aussetzen – Erkältung inklusive. Also wähle ich lieber den
angelegten Wanderparcours und gehe anschließend hinunter zur Ardeche. Der von
mir bevorzugte Weg schein anderen Wanderern nicht so sehr zu liegen, denn ich
habe mit echt dichtem Gestrüpp zu kämpfen und schließlich geht es durch einen
Canyon weiter.
Ich frage mich noch wie die Autowracks aus Zeiten des 2.
Weltkrieges hier her kommen. Sie sind teilweise besser erhalten als die Modelle
auf der Straße.
Ich erreiche die Ardeche am oberen Ende eines Wasserfalls und muss diesen herunter klettern. Dann ist es wieder mal eine super Kulisse unmittelbar neben einem Zeltplatz. Es scheint auch einen Wanderweg entlang der Ardeche zu geben. Allerdings hat dieser weder flussauf noch flussab in akzeptabler Distanz einen weiteren Einstig. Somit bleibt mir nur in jede Richtung ein Stück zu gehen und über den Zeltplatz wieder aus dem Tal aus zu steigen.
Abend kommen noch zwei Deutsche mit ihrem kleinen Mobil auf den Parkplatz und leisten mir Gesellschaft.
Es ist an der Zeit mal wieder Wäsche zu
waschen und hier geht das recht ungestört. Während die Maschine leise im
Kofferraum werkelt, schreibe ich meinen Reisebericht. Mittags, als die Wäsche
bereits trocken ist, fahre ich los nach Tavel, wo ich mich abends noch mit
Cyrielle treffen will.
Die Weiterfahrt führt über Saint Martin d‘Ardeche. Saint Martin ist ein netter kleiner Ort mit kotenlosem WLAN, was ihn wiederum unbezahlbar macht.
Cyrielle hat nun leider doch keine Zeit. Ich suche mir einen Stellplatz an der Rhone nahe des Amazonas Parks in Roquemaure. Ein recht unspektakulärer Platz, aber für die Nacht sollte es reichen.
Position: |
N 44° 3' 59.7" E 4° 46' 40.3" |
Kilometerstand: |
15.279 km |
Von den Gassi-Führern werde ich geweckt.
Obwohl es noch recht früh ist, mache ich mich mit dem Bike auf den Weg nach
Avignon. Immer an der Rhone lang, die hier breiter ist als der Rhein in D’dorf.
Die Strecke über den Deich ist mit grobem, rundem Kiesel erstellt, was das
Treten zu einer echten Anstrengung macht wenn man bedenkt dass es über einen
Deich geht.
In Avignon gibt es einen kleinen WoMo Stellplatz, der jedoch auch von Umzugsfirmen mit ihren Transportern als Parkplatz genutzt wird. Somit ist es höchst unwahrscheinlich hier einen Platz zu finden, von dem aus es dann allerdings nur ein paar Minuten bis in die Stadt wären.
Avignon ist eine alte und historische
Stadt. In unzähligen Gassen reihen sich schmucke Läden und Boutiquen aneinander.
Ich bin froh mit dem Fahrrad hier zu sein, denn sonst käme ich nicht so weit in
der Stadt herum. Auf der anderen Seite bleibt es mir verwehrt, in den Stadt-Park
zu gehen, der für Bikes tabu ist.
Auf dem Rückweg erkunde ich noch einige Alternativen für heute Nacht. Letzten Endes fahre ich auf einen Parkplatz am Rhone Wehr. Hier ist reger Verkehr. Zumindest wenn man die an- und abfahrenden Autos zählt. Wegen der schönen Natur kommen die bestimmt nicht nach Feierabend hier her… Nur etwas Anderes gibt‘s hier nicht. Nach einer Weile wird es mir zu bunt und ich beschließe für heute Nacht einen anderen Platz zu suchen. Es wird gleich dunkel, also ist Eile geboten. Ich setze die sechs Zylinder in Bewegung und fahre zu dem Parkplatz vor dem Staudamm auf der Rhone-Insel. Zwischen 100t Krank und Begleitfahrzeug schlage ich mich in die Büsche um keinen Ärger mit dem Campingplatz nebenan zu bekommen. Bei einem leckeren Dosenbier am Rhone Ufer lasse ich den Tag ausklingen.
Position: |
N 43° 59' 42.5" E 4° 49' 5.8" |
Kilometerstand: |
15.299 km |
Ein zweiter Autokran rückt an. Jetzt wird es Zeit dass ich abrücke und Platz mache. Es ist gerade mal 8:00 Uhr und so fahre ich zuerst vor auf den Busparkplatz und dann weiter zu einer Deich-Einfahrt. Dann warte ich bis ca. 10:00 Uhr um die Chancen zu erhöhen auf dem Parkplatz in Avignon parken zu können. Dann sollten die ersten Camper vom Vortag abgereist und die nächsten noch nicht angekommen sein. Und mein Plan geht auf. Ich kann direkt am Rand stehen, so dass ich Platz für meine Treppe und zum draußen sitzen habe. Nur der permanente Busverkehr ist etwas nervig.
Es sind etwa 10 Minuten zu Fuß in die
Stadt. In einem Park habe ich WLAN und kann entspannt die Online-Singe des
Lebens erledigen. Dann folgt der Teil des Sightseeing, den ich mit dem Bike
nicht erledigen konnte. Neben Touristen bilden junge Mädels die zweitstärkste
Bevölkerungsgruppe in Avignon. Viele Studentinnen der zahlreichen künstlerischen
Studiengänge hier an der Uni.
Nachmittags passe ich mich den
einheimischen Massen an und mache Siesta, bevor ich abends noch mal einen Besuch
in die Stadt unternehme. Als ich gerade losgehen will, kommt ein Deutscher mit
seinem ADAC Leihwohnmobil und kracht beim vorwärts Einparken einem Franzosen in
sein Auto. Er hatte wohl nicht bedacht, dass das Heck übersteht und beim
Einlenken ausschert. Da die Wohnmobile größtenteils aus Kunststoff bestehen ist
nicht viel kaputt gegangen und der Fahrer meinte auch nur er sei ja gegen alles
Versichert. Den Ärger und Umstand des Franzosen, sein Auto wieder instand zu
setzen hat er nicht bedacht.
Position: |
N 43° 57' 7.4" E 4° 47' 37.2" |
Kilometerstand: |
15.306 km |
Das Wetter hat sich etwas eingetrübt und
die Vorhersage deutet auf nichts Gutes. Also starte ich langsam und bereite mich
auf die Weiterfahrt vor. Auf meiner Route raus aus Avignon komme ich an einem
Center Commercial vorbei. Dort, so denke ich, kann ich bestimmt noch mal etwas
einkaufen. Insbesondere bin ich seit Tagen auf einer Tankstelle mit AdBlue im
Angebot. Doch eine Tanke mit Durchfahrtshöhe von mehr als 3,5m habe ich seit
Tagen nicht gesehen.
Okay, hier gibt es mehr als einen Laden und dazwischen kreuz und quer Straßen mit Roundabouts. Ich lande auf dem Parkplatz bei einem Netto Markt und gleich nebenan ist ein Weldom, der sich als der Französische OBI entpuppt. Das trifft sich gut, denn ich brauche noch Gardena Schlauchadapter und einen Fliegenschutz für die Eingangstür. Es dauert eine Weile bis ich die richtigen Teile für meinen Lösungsansatz mit dem Türvorhang zusammen habe. Dann sehe ich, dass, ganz wie bei OBI, hier Holzzuschnitte auf Maß angefertigt werden. Genau das was ich für meinen Navigationstisch im Fahrerhaus brauche. Nur schnell ausmessen und zurückkommen. Etwa 15 Minuten später kehre ich zurück. Vor der Eingangstür muss ich abrupt stehen bleiben, als sich die Schiebetür nicht wie erwartet öffnet. Nanu, Stromausfall? Tür kaputt? Zumindest erkennt der Sensor mich, denn der klackt noch. Aber der Verkäufer im Eingangsbereich macht dazu noch so komische Handbewegungen und dann dämmert’s mir. Ein Blick auf das Schild mit den Öffnungszeiten bestätigt es mir. MITTAGSPAUSE! Der OBI in Frankreich schließt von 12:30h bis 14:00h seine Türen. Ich muss lachen und packe meinen Zettel mit den Massen zerknüllt in die Tasche. – Vielleicht ein anderes Mal denke ich mir und fahre weiter.
Der Zielort ist recht klein und die genauen
Koordinaten von dem Ort wo ich hin möchte habe ich in QuoVadis drin, also gebe
ich in mein Navi lediglich den Ortsnamen ein. So weit, so gut. In Collias lotst
das Navi mich nach rechts, wohingegen TTQV links sagt, dort aber die Durchfahrt
für Busse verboten ist. Hmmm, weiß mein Navi mal wieder etwas über die Straßen
hier was TTQV nicht wissen kann? Ich folge der Ansage nach rechts. Und so komme
ich in den Genuss den Ortskern auch noch kennen zu lernen, denn das Navi führt
mich natürlich genau dort hin. Jetzt heißt es Augen zu und durch. Das bittere
daran ist nur, ich muss dieselbe Strecke noch wieder zurück, sobald ich irgendwo
wenden kann. Wäre ich links abgebogen, so hätte ich nach wenigen hundert Metern
mein Ziel erreicht gehabt. Die Anfahrt zum Parkplatz ist dann noch mal etwas
kniffelig. Viel länger dürfte das Auto nicht sein. Den U-Turn als Einfahrt zum
Parkplatz nehme ich in drei Zügen.
Am Flussufer treffe ich auf eine deutsche Foto-Crew, die gerade Aufnahmen von Produkten für den nächsten Katalog eines großen deutschen Camping und Freizeit Händlers machen. Jetzt sind gerade Jacken und Schuhe dran. Die Models beschweren sich, dass sie mit den Schuhen in der Hand barfuß über den Kieselstrand laufen sollen. – Naja, echte Outdoor Models halt.
Ich komme gerade vom Strand als die Foto-Crew abrückt. Der Einkäufer der Handelskette rollt mit seinem Wohnmobil vom Platz und es kracht schon wieder. Ein holländischer Eigenbau hatte seine Seitenfenster geöffnet an dem das abfahrende Mobil ‚hängen blieb‘. Dem holländischen Auto fehlten ein paar Kunststoffsplitter, während dem neuen deutschen Mobil die komplette Scheibe aus dem Kitt gefallen war. Hoffentlich mögen sie es nachts frisch und luftig.
Zeitig wird der Grill eingeheizt und dann gibt es ein super leckeres Fleisch vom Carefour. Dazu Salat und geröstetes Brot. Lecker, lecker, lecker. Nur ein Kampfjet, der in finsterer Nacht im Tiefflug über meinen Garten brettert, stört die Nachtruhe. Manchmal zweifele ich an unseren Nachbarn, ob sowas nötig ist.
Position: |
N 43° 57' 15.7" E 4° 29' 12.9" |
Kilometerstand: |
15.349 km |
Es ist bewölkt und frisch. Doch ich nehme als erstes ein Bad im Fluss. – Jetzt bin ich wach und munter. Dann mal das Frühstück vorbereiten. Als ich zu Speisen beginne fängt es auch noch an zu nieseln. Aber davon lasse ich mich nicht abschrecken. Ich beschließe lediglich heute zu Wandern statt mit dem Bike los zu fahren.
Seit etwa 9:00h höre ich ununterbrochen
Motorenlärm von einer Rennstrecke oder sowas. Ein Blick ins GPS klärt auf: Hier
ist tatsächlich eine Rennstrecke in unmittelbarer Nähe. Somit ist auch der Plan
klar, wo es hin gehen soll. Nur die Route dort hin führt zum Teil durch recht
dichtes Buschwerk, über einen Bergrücken und um einige Ecken bis zum Eingang.
Ich bin positiv überrascht als ich kostenlos Zugang zum Gelände bekam. Also
dann, die Boxengasse ist das Ziel. Und tatsächlich, kurze Zeit später finde ich
mich als Starfotograf an der Boxenmauer wieder. Es sind verschiedene Typen und
Klassen von Rennwagen hier. Allerdings ist heute nur das freie Training und
echte Wettkampfszenen bleiben mir verwehrt. Trotzdem eine durch ausreichend
Abgase untermauerte und Ohren betäubende Atmosphäre.
Trotz des Wolken verhangenen Himmels wird
es beim Rückweg ziemlich warm. Somit ist die erste Maßnahme nach meiner
Rückkehr, Schwimmen zu gehen. Dann gibt es Apfelkuchen und Chillen.
Doch kurz darauf wecken 6L Hubraum meine
Aufmerksamkeit. Ein Dodge mit Pick-Up Kabine rollt heran. Die Schweizer Rolf und
seine Frau sind auf der Rückreise aus Spanien und Andorra. In Andorra haben sie
fast alle Straßen erkundet und haben selbst mit dem mittelgroßen Auto auf vielen
kleinen Straßen ihre Herausforderungen gehabt. Wir fachsimpeln noch ein wenig,
da Rolf derzeit einen Shelter ausbaut und sehr an allen Details interessiert
ist.
Als ich gerade in meinem Garten Eden für’s Frühstück Platz eingenommen hatte, kommen die Jungs von Fritz Berger wieder um ihr Foto-Shooting zu komplettieren. Es ist ihr letzter Tag und es ist schlechtes Wetter bereits für den Nachmittag vorhergesagt. Der Fotograf Rene sieht meinen Stuhl und Tisch von Fritz Berger und ruft gleich mal den Einkäufer her um sich die aufgequollene Tischplatte anzusehen. Er merkt an, dass diese nicht wetterfest sei, nimmt den Schaden aber auf und möchte mir weiter helfen. Seine Kollegin für dieses Sortiment sei ab Montag aus dem Urlaub zurück und er leitet es weiter.
Inzwischen ist gar noch ein zweites
deutsches Fototeam eingetroffen. Es scheint eine wirklich beliebte und bekannte
Location bei Modefotografen zu sein.
Heute will ich mir den Ort Collias ansehen.
Nach einer knappen Stunde bin ich bereits zurück und habe so ziemlich jede
Straße gesehen. Also will ich heute mal etwas Zeit zum Fotografieren aufwenden.
Die Brücke am Ort und das 6km entfernte Pont du Gard werden meine Motive sein.
Bis zum Pont du Gard ist es ein schöner Fußmarsch. Mit dem schweren Fotorucksack
allerdings recht bald auch eine Herausforderung für den Rücken.
Das Pont du Grad hat in früheren Zeiten bei der Wasserverteilung so zu sagen eine Brücke über den Le Gardon geschlagen. So kam aus den Bergen das Wasser auch auf die andere Talseite. Heute ist es eines der publikumsstärksten Destinationen bei Touristen in der Gegend.
Nach meiner Rückkehr zum Auto beginnt es auch wie erwartet zu regnen und ich nutze die Zeit für die Foto-Nachbearbeitung und die Erstellung der HDR Fotos.
Durch den ergiebigen Regen hat sich der sandige Platz ein neues Aussehen zugelegt. Meine Reifen sind schön im Sand eingeschwemmt und der Grill, der unter dem Auto stand, ist zur Hälfte mit den Füßen im Sand eingesunken. Allerdings ist es Zeit aufzubrechen und weiter gen Süden vorzudringen.
In Nimes mache ich einen kurzen Stopp bei Mc Donnalds, um deren WLAN zu nutzen und meine E-Mails los zu werden bzw. Zu erfahren was es Neues gibt.
Und dann ist es so weit. Ich sehe zum ersten Mal auf dieser Reise das Meer. Gleich dahinten ist Afrika. J
Jetzt suche ich einen attraktiven Stellplatz für die Nacht. In Frontignan stehen zahlreiche WoMos am Kanal zwischen Straße und Radweg. Ich stelle mich dazu und erkunde den Ort. Als ich zurück komme hat sich ein schwäbisches Pärchen mit ihrem Toyota dazu gesellt, die ebenfalls nach Marokko wollen, aber noch nicht wissen ob sie mit der Fähre von Sete aus oder doch über das spanische Festland reisen wollen.
Ich fühle mich hier nicht recht wohl, zumal ich sehr schräg stehe und meine Treppe bis auf den Radweg ragt. Daher fahre ich weiter. In Sete halte ich spontan auf einem Parkplatz unmittelbar hinter der Zugbrücke unweit des Ortskerns. Ich nehme eine Dusche und richte mich auf’s Bleiben ein. Doch nach einem Rundgang durch den Ort, als ich gesehen habe wie jemand auf der Straße liegend zusammengeschlagen wurde, denke ich das dies nicht der richtige Ort ist um zu bleiben und fahre erneut weiter. Mein eigentliches Ziel liegt noch hinter Sete, also gebe ich die Koordinaten erneut ins Navi ein und brause los.
Rechts die Eisenbahn und links hinter einem
nicht enden wollenden Parkstreifen und wenigen Metern Dünen das Meer. Nach
wenigen Kilometern kommt der Parkplatz ohne Höhenbeschränkung und es sind auch
schon zahlreiche Camper da. Ich erachte es als notwendig den Platz zu Fuß zu
erkunden um zu sehen wo ich evtl. noch hin kann. Bis auf den ersten Bereich wo
Franzosen mit ihren Wohnmobilen stehen sind auf dem Platz fast ausschließlich
Wohnwagen der gehobenen Klasse mit einem dazu gehörigen MB Vito oder Sprinter,
in den Waschmaschine und Trockner eingebaut sind. Diese können sich jedoch auch
in einem kleinen separaten Anhänger befinden. Auch der nicht klein
dimensionierte Wassertank ist im Transporter untergebracht, damit man damit zum
Hydranten vor fahren kann und dort mit professionellem Werkzeug schnell mal die
Wochenration an Wasser abzapfen kann. An der vorhandenen Service-Station
wahrscheinlich zu unbequem.
Und welches Haustier, nach einem Hund,
führt man hier für gewöhnlich noch mit sich? – Genau, ein Huhn. Für das tägliche
Frühstücksei nehme ich an, oder als Wecker.
Wobei mit den vorbei rauschenden
Zügen wird das mit dem Schlafen eh noch heikel werden.
Nock-Nock! Es klopft an der Tür. Zwei Franzosen wollen mir erklären dass sie hier für die ‚Community‘ verantwortlich seien und irgendwas mit ihren Bambinies sei. So ganz eindeutig konnten wir uns nicht verständigen und als sie merkten dass das auch nix mehr wird sind sie abgedampft.
Position: |
N 43° 21' 56.4" E 3° 36' 48.3" |
Kilometerstand: |
15.500 km |
Kurz nach 8:00h klingelt bereits das Telefon und Fa. Paul meldet sich wegen der undichten Außenplaneten zurück. Wir verabreden dass ich erstmal selbst versuche das Problem in den Griff zu bekommen. Mit ein paar Infos sollte ich weiter kommen. Habe also eine neue Aufgabe.
Aber geweckt wurde ich wie erwartet von den Frühstücksei-Maschinen meiner Nachbarn. Ganz wie erwartet mit den ersten Sonnenstrahlen.
Am besten erkundet man die kleinen Städte
an der Küste mit dem Rad. Also unternehme ich eine Radtour nach Agde und halte
auf dem Weg Ausschau nach einem besseren Stellplatz. In Agde gibt es solch einen
Platz. Im Ort ist nichts mehr los. Es ist der letzte Tag im September und somit
wohl auch der hiesigen Saison. In den Läden werden die verbliebenen Artikel
eingepackt und Kühltruhen werden abtransportiert. Es wird nach den Touristen
auch das gesamte Inventar aus dem nur für den Tourismus angelegten Ort geräumt.
Der einzige Bereich an dem noch etwas los ist, ist der Plage Naturell. Der FKK Urlaub hat wohl jetzt seine Hochsaison. Abgegrenzt vom Rest des Ortes bildet der Plage Naturell einen eigenen Ortsteil. Alles wirkt ein wenig befremdlich auf mich.
Nichts desto trotz hole ich am Nachmittag das Auto nach Agde. Hier gibt es auch eine Entsorgungsstation an die ich heranfahren kann. In Sete ist es nicht möglich gewesen.
Die trübe Stimmung in diesem ausgestorbenen Nest drück auf meine Gefühlslage und ich fühle mich heute ziemlich allein.
Position: |
N 43° 17' 8.9" E 3° 31' 3.2" |
Kilometerstand: |
15.520 km |
In der Hoffnung dass vielleicht irgendwo noch ein bisschen etwas los ist gehe ich in die Marina bzw. in die diversen Marinas. Ein riesiges Areal mit Bootsanlegern zwischen unzähligen Appartements, von denen gerade nicht wenige zur Vermietung oder zum Verkauf angeboten werden. Nix! Am Strand fahren die Radlader umher und entfernen die Bars und Hütten vom Sommer. Als wenn man sagen wollte „Ihr geht jetzt besser nach Hause“.
Ich hole meine Badesachen und gehe zum Strand um zu Baden. Es gibt noch ein Stück ohne Bagger und ein paar andere Touristen haben sich auch noch hier her verlaufen.
Abends sitze ich mit Achim und Evy aus Berlin zusammen. Beide im rüstigen Rentenalter sind sehr unterhaltsam und sie erzählen mir, wie angenehm und quirlig es hier noch vor einigen Jahren war. Inzwischen wurden Straßen am Strand entfernt an denen man früher Campen durfte. Heute kam jemand von der Marina und wollte 10€ für die Übernachtung haben. (Man sollte einfach zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr nicht am Auto sein.)
Es ist höchste Zeit diesen düsteren Ort zu verlassen und ich bin auch nicht so sehr von der Küstenregion angetan. Also beschließe ich heute wieder ins Landesinnere zu fahren. Es geht Richtung Pyrenäen. In Beziers werden die Lebensmittelvorräte aufgestockt und dann geht es über die Hautstraße (mit integriertem Straßenstrich) an Narbonne vorbei in die Berge. Es wird schlagartig ruhiger und schöner, als die Straßennummer wieder zweistellig werden. Felsen, Schluchten, Wasserläufe, Kurven und in den Fels gehauene Tunnel. Hier macht es wieder Spaß zu fahren. Die Landschaft verändert sich wieder und ich fahre durch endlose Weinberge.
In Cucugnan erkundige ich mich im
Tourist-Office nach möglichen Mountainbike-Stecken in der Gegend. Leider hat die
Süße nur Beschreibungen über Wanderstrecken für mich. Wir unterhalten uns noch
über einen schönen Stellplatz an einem Flusslauf und dass man dort offiziell
nicht campieren dürfe, aber…. An der schmalen Zufahrt zu diesem Parkplatz steht
jedoch ein Schild mit 3,5t Beschränkung. Das läßt mich dann doch auf den
Stellplatz oben im Ort fahren. Dieser ist auch schön und ich habe freien Blick
ins Tal.
Ich nehme das Fahrrad und erkunde die Straße zum Parkplatz. Und tatsächlich ist es dort hin sehr eng. An Gegenverkehr nicht zu denken. Außerdem ist der Platz nicht so schön wie erhofft. Also radele ich noch etwas weiter. Doch schon bald schieben sich bedrohliche Wolken über die Berge und es zieht schnell zu. Also kehre ich um, denn ich will noch das leckere Steak grillen, welches ich heute beim Carrefour erstanden habe.
Position: |
N 42° 51' 42.4" E 2° 33' 55.3" |
Kilometerstand: |
15.657 km |
Dichte Wolken hängen in den Bergen. Von den
Gipfeln ist nichts zu sehen. Es stellt sich die Frage ob ich noch etwas hier
bleibe, denn bei schönerem Wetter ist das bestimmt eine klasse Gegend, oder ob
ich mich auf mache nach Spanien. Die Entscheidung fällt für Spanien. Ich tanke
noch mal französisches Bergwasser in meine Tanks und dann geht es nach einer
kurzen Unterredung mit einem anderen Camper, der ebenfalls über ein
Abfindungsprogramm nächstes Jahr ausscheidet und dann mehr reisen will. Es gibt
also noch mehr mit diesem komischen Gen, welches ich in mir Trage.
Interessanterweise schildert er mir die gleichen Beweggründe, warum er sich
abfinden lässt und aus dem Business (Pharma) aussteigen will. Eine interessante
Arbeit will auch er später noch mal aufnehmen.
Los geht’s. Es ist schon fast wieder zwölf
geworden. Die Route habe ich im Garmin BaseCamp zusammengeklickt und ins TTQV
übertragen. Zu Beginn liegt es gleichauf mit dem Navi. Dann kommen erste
Diskrepanzen auf und ich entscheide mich für meine Route. Und das war genau
richtig so, denn die führt über viele zig Kilometer durch eine Schlucht bis hoch
in die Berge. Die Straße ist eng und teilweise in den Fels gehauen. Die Straße
hat mindestens so viele Windungen wir der nebenan verlaufende Fluss. Zum Glück
ist wenig Verkehr, doch dann begegne ich einem Langholztransporter. Wir
rangieren und arrangieren uns ganz gelassen. Dann passt es endlich und wir
fahren beide weiter. Keiner hat Stress, auch nicht die Autofahrer, die sich
inzwischen den kleinen Stau angeschlossen haben. Später folgt ein zweiter
Holztransporter, da hatte ich dann schon Übung, aber dort hatten wir auch mehr
Platz und so ging es reibungslos voran. Es machte einfach riesigen Spaß auf
dieser Strecke zu fahren!!!
Witzig ist die Geschwindigkeitsbeschränkung
von 90 km/h auf dieser Strecke. Ich war froh wenn ich mal schneller als 30 km/h
fahren konnte. Mehr als 40 km/h konnte meine Tachonadel auf den über 1.000
Höhenmeter dauernden Anstieg nicht verzeichnen. Oben eröffnete sich eine weite
Hochebene wo im Winter ausgiebig Ski gefahren wird. Derzeit ist hier aber wenig
los. Die eigentliche Zufahrt ist von der Südseite, so ist die Abfahrt kein
Thema. Ich werde bereits wieder von anderen LKW gescheucht.
Das Navi warnt mich vor eine Einschränkung im gewählten Straßenverlauf. Die N116 ist in Bourg Madame zur Grenze nach Spanien auf 3,5t begrenzt. Auf einen Umweg habe ich keine Lust und fahre in die schmale Straße, die recht viele Geschäfte hat und das wohl der Grund für die Beschränkung ist. An der Grenze selbst gibt es keine Grenzbeamten und somit bin ich in Spanien angekommen.
Die Straßen hier sind um ein Vielfaches
besser ausgebaut und in erheblich besserem Zustand. Hier kann man gerne mal mit
80 km/h und mehr dahin brausen. Und nach einigen Kilometern komme ich an der
ersten Tankstelle vorbei die auch AdBlue führen. Also tanke ich den bereits leer
gefahrenen Harnstoff-Tank wieder voll, denn das Blinken der Motor-Lampe macht
mich auf Dauer nervös.
Als ich gerade mit dem Tanken fertig bin
bekomme ich Nachricht von Cyrielle. Sie ist mit der Arbeit fertig, weiß aber
noch nicht so recht ob sie nun mit nach Afrika will oder lieber auf den
Besuch
ihres Sohnes in Martinique hinarbeiten will. Egal wie, sie hat noch für 2 bis 3
Wochen Dinge zu erledigen, wie einen neuen Pass besorgen und das Auto loswerden.
Außerdem diskutieren wir ob wir uns noch mal treffen - der naheliegendste Ort
dazu wäre Toulouse - oder nicht. Wir sind uns beide nicht ganz klar wie wir das
machen wollen.
Erstmal brauche ich ein Plätzchen für die Nacht, doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Ich fahre noch eine ganze Weile weiter, bis ich frustriert links abbiege und einen schmalen, steilen Weg den Berg hinauf fahre. Es ist steil, eng, zugewachsen und führt ins Nirgendwo. – Genau meine Route!
Genau oben am Pass kommt mir ein Bauer mit großem Trecker und einer breiten Landmaschine entgegen. An ein Passieren auf der Straße wäre undenkbar gewesen. Ich stelle mich für die Nacht auf den leicht schrägen Platz. Unterlegkeile halte ich heute für unverzichtbar.
Position: |
N 42° 5' 41.8" E 1° 19' 27.0" |
Kilometerstand: |
15.869 km |